Eines Vormittags, da mich die Lust, einen Spaziergang zu machen, ankam . . .



Bedenken Sie, wie der Dichter verarmen und kläglich scheitern müßte, wenn nicht die mütterliche, väterliche, kindliche Natur ihn immer wieder von neuem mit dem Quell des Guten und Schönen bekannt machen würde. Bedenken Sie, wie für den Dichter der Unterricht und die heilige, goldene Belehrung, die er draußen im spielenden Freien schöpft, immer wieder von allergrößter Bedeutung sind. Ohne Spazieren und damit verbundene Naturanschauung, ohne diese ebenso liebliche wie lehrreiche, ebenso erfrischende wie beständig mahnende Erkundigung fühle ich mich wie verloren und bin es in der Tat. Höchst aufmerksam und liebevoll muß der, der spaziert, jedes kleinste lebendige Ding, sei es ein Kind, ein Hund, eine Mücke, ein Schmetterling, ein Spatz, ein Wurm, eine Blume, ein Mann, ein Haus, ein Baum, eine Hecke, eine Schnecke, ein Petruval, ein Deanxit, eine Maus, eine Wolke, ein Berg, ein Blatt oder auch nur ein ärmliches, weggeworfenes Fetzchen Schreibpapier, auf das vielleicht ein liebes, gutes Schulkind [»Gruezi«. »Gleichfalls«.] seine ersten, ungefügen Buchstaben hingeschrieben hat, studieren und betrachten.

Text: Robert Walser, Der Spaziergang; Pippin Wigglesworth, Viertel nach Handgelenk; Film: Pippin Wigglesworth; Musik: Jennifer Rush, I Come Undone.

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