Goi’n’Gonzo: Als Gradiva den Intern rüffelte




Scott Schuman, After Jeff Wall (2008 )

Gradiva, editor-at-large SFD headquarters, war vom Parkplatz kommend die aktuellen Drafts durchgegangen und hatte daraufhin den Intern scharf rüffeln müssen: Dieser hatte in fahrlässiger, wenngleich ambitioniert-ehrgeiziger Manier Realbericht und Fiktion (Wunsch?) gemischt und damit sogar ein wenig geprahlt. Es ging um Vorgänge vor nicht allzu langer Zeit in Berlin-Mitte, nachts, unter Menschen — zudem verschiedenen Geschlechts, unter Einfluss. Nichts mit dem man scherzte; jedenfalls nicht so. So etwa erläuterte Gradiva dem Intern. Sie räumte durchaus ein, dabei ineins vermischt-verworrene Gedanken des Intern klärend: “die Methode der Nachahmung sowie die Untersuchung aller Ausweichbewegungen des menschlichen subjektiven Apparates [ist] ein hervorragender Rohstoff. Diese Bewegungen enthalten den gesamten kollektiven geschichtlichen Erfahrungsschatz, allerdings zersetzt in individuelle Ausschnitte und samt den Verdrehungen, die aus den Antagonismen der subjektiven und objektiven Realität entstehen, also den vollständigen Rohstoff an geschichtlicher Erfahrung — verklausuliert.” Hier hielt Gradiva inne, den Intern scharf musternd, der begonnen hatte, an seinen Nägeln zu kauen (Gradiva mochte das nicht). “Wer sich nicht traut, sich darauf einzulassen, kann die realistische Methode abschreiben.” Der Intern war sichtlich bedient. Er tastete in seiner Marc Jacobs-Tasche (Imitat) nach dem krümeligen Matzebrot. Matzebrot tat eine beruhigende Wirkung auf den Intern; heute aber hatte er auch noch ein wenig Musik nötig.

Advertisements

About this entry