Meeressyndrom

»mein Meeressyndrom … außerhalb, wie immer, jeder Funktion, jeder Zeit …
das Meer in seiner wahren Geschichte, durch den plötzlichen, traumatischen Gleiswechsel,
vom Objektiven ins Intime eingegangen …: vom Menschen in mich … ein
neuerlich vor-menschliches Terrain … eine nichtgesellschaftliche Größe«


RAF BY RAF SIMONS

in der Viertelstunde, die dem Abendessen vorausging, ruhte das Leben in einer Art vergänglicher, aber qualvoller Ferien. Und in diesem Stillstand, in dem ich frei von jeglicher anderer Verpflichtung war und leicht gereizt von der Langeweile, geriet ich wieder mit weniger Ungestüm und mehr Klarsicht in den Bann der von meiner Neigung angefachten Phantasien. Ich blätterte also, zu einem Vergnügen, das sofort abgebrochen werden würde, und somit in seinen engen Grenzen sehr heftig gespürt werden mußte, in den Büchern, deren Illustrationen, meiner flackernden Neigung wohlbekannte Orte, mich immer wieder verführten. Ich ließ mich von den Figuren aufsaugen und genoß bis auf den unaussprechlichen Grund ihren Zauber, eine ästhetische Anspielung, die koexistierte mit ihrer unmittelbaren Gewalt […] und vielleicht war die Verzauberung stärker, weil sie vorhergesehen war, weil jene Illustrationen in dem Gefühl, das mich mit ihnen verband, absolut geworden waren.



Grado, Friuli-Venezia Giulia

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