Ein grundlos nachgeahmtes Modell



Via CafeScribe (Facebook Applikation) schickt mir A folgendes Exzerpt, einzugliedern in das Dossier “Die Welt der Insekten, die Welt der Menschen”, Abschnitt: “Eine »langsame« Mode” (“… bei den Menschen ist die Mode ein Phänomen, das sich auf Mimese gründet, auf eine undurchsichtige Ansteckung, auf die Faszination durch ein grundlos nachgeahmtes Modell. … daß in der Welt der Lebewesen sehr wohl ein Gesetz der reinen Verkleidung existiert, ein Streben, für etwas anderes durchzugehen, … das keinesfalls auf irgendeine aus der Konkurrenz der Arten oder der natürlichen Selektion abgeleitete biologische Notwendigkeit zurückzuführen ist. Der Mechanismus bleibt zweifellos rätselhaft.”):

Ich halte inne. Ich führe die abenteuerliche, die schimärische Konstruktion nicht weiter. Ich kehre zurück zu präzisen, herkömmlichen Untersuchungen. Grübelnd und voller Nostalgie, vergleiche ich noch einmal im Geiste die Masken der Zauberer im Urwald mit der langen frontalen Ausstülpung der Leuchtzirpe, die fast so groß ist wie das übrige Tier, diesem unbegreiflichen hohlen, zugleich zwergenhaften und aufgeblähten Echsenkopf mit den künstlichen Glotzaugen unter ebenso künstlichen Rundungen, mit der großen aufgemalten Schnauze, die nicht beißen kann, diesem völlig leeren und doch unermeßlichen Sack, den eine absonderliche Homoptere, ohne es zu wissen, seit dem Dunkel geologischer Zeitalter vor ihrem eigentlichen Gesicht trägt.

Ein letztes Mal: es gibt nur eine einzige Natur. Vielleicht ist es das Glück des Menschen – vielleicht sein Mißgeschick? – in dieses ungeheure Räderwerk einen spielerischen Zug gebracht zu haben.

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