Das Mädchen mit den Augenringen und den Kniestrümpfen



Es gibt kein gewagteres Unternehmen, kein schwierigeres, als die Klarheit eines Blickes wiederzugeben, den kaum sichtbaren Flaum auf einer Wange oder ein Gefühl, das gleichzeitig in der Schwere und in der Leichtigkeit spürbar wird. Gerade dieses wunderbar musikalische Gleichgewicht der Gesichter meiner jungen Modelle wollte ich erreichen. Nicht allein der Körper oder die Ähnlichkeit ihrer Gesichtszüge waren mein Ziel, sondern vielmehr das, was jenseits oder diesseits ihres Körpers oder ihrer Züge lag, in ihrer Nacht oder ihrem Schweigen. […] Deshalb rege ich mich immer noch über die dummen Interpretationen auf, die behaupten, meine jungen Mädchen entsprängen einer erotischen Fantasie. Das zu behaupten heißt, sie nicht zu verstehen. Mich beschäftigt ihr langsamer Wandel vom Zustand des Engels zu dem des jungen Mädchens, ich will den Augenblick erfassen, was man eine Passage, einen Übergang nennen könnte.

Scott Schuman, apokryph

(Pic: Sart; Übersetzung: Karin Laub; Korruptel stillschweigend emendiert, Ed.)

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