Anica sandte mir ein Foto



Es war auf einem unserer letzten Spaziergänge durch das frühsommerlich schwüle Berlin, dass Anica wieder auf das Foto zu sprechen kam. Anica liebte Sebald und Sepia, ich selbst träumte mich, seitdem es auf unseren langen, langsamen Gängen so heiss geworden war, in Gedanken oft nach Twentynine Palms (im Winter?). Anica hatte den auf dem Bild dargestellten Autor über einen früheren Liebhaber kennengelernt; der hatte vor zehn, zwanzig Jahren alles von dem Autor gelesen und es war ihm wichtig gewesen und er hatte Anica viel von ihm erzählt, manches gar vorgelesen. Seitdem Anica’s Alice Anschluss geschaltet war, hatte sie — per Zufall — jenes Blut-Video auf YouTube entdeckt, und auch, dass der Autor seit kurzem ein neues Blog führte. Anica war gerade aus Flandern, dem flachen Land im Norden Frankreichs, zurückgekehrt; sie hatte eine Freundin begleitet, die dort eine Fortbildung als Französischlehrerin besuchte. Sie sagte mir, dass das Foto für sie das Bild der Konzentration sei, und auch, dass sie es als erstes Bild ganz allein an den Anfang ihrer myspace-Seite setzen wolle. Nun hatte ich, kurz vor meiner endgültigen Rückkehr nach Twentynine, und zwar während eines Aufenthalts in einer jener nondeskripten boarding zones, von denen jüngst wieder Marc Augé und Christian Petzold gesprochen hatten, das Bild in meiner Inbox gefunden.

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