Gründe, meinem alten Hausrock nachzutrauern…

…,oder: eine Warnung an alle, die mehr Geschmack als Geld haben

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courtesy Katy Grannan
Für Paul

Warum habe ich ihn nicht behalten? Er paßte zu mir, ich paßte zu ihm. Er schmiegte sich jeder Wendung meines Körpers an; er hat mich nie gestört; er stand mir so gut, dass ich mich ausnahm wie von Künstlerhand gemalt. Der neue, steif und förmlich, macht mich zur Schneiderpuppe. Kein Bedürfnis, dem der alte nicht entgegengekommen wäre. Denn fast nie hat die Armut etwas dagegen, sich nützlich zu zeigen. Lag Staub auf seinem Buch, schon bot sich einer seiner Zipfel an, ihn abzuwischen. War mir die Tinte eingetrocknet und wollte nicht mehr aus de Feder fließen, so lieh er mir einen Ärmel: lange schwarze Streifen legten von den häufigen Diensten, die er mir geleistet hat, Zeugnis ab. An diesen Tintenspuren war der Mann der Literatur, der Schriftsteller, der arbeitende Mensch zu erkennen. Und heute? Ich sehe aus wie ein reicher Tagedieb, man sieht mir nicht mehr an, wer ich bin. Unter seinem Schutz hatte ich weder das Ungeschick des Dieners noch mein eigenes, weder Feuer noch Wasser zu fürchten.

Warum habe ich ihn nicht behalten? Er paßte zu mir, ich paßte zu ihm. Er schmiegte sich jeder Wendung meines Körpers an; er hat mich nie gestört; er stand mir so gut…

Fortsetzung folgt 

Lesen Sie morgen auf SFD: War er nicht einst ganz und gar Herr seines alten Hausrocks, nun aber längst zum Sklaven des neuen Hausfreundes geworden?

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