Klampenborg III

continued

In Wahrheit hatte ich etwas Unwirkliches vor Augen: den Strand.

In Wahrheit hatte ich etwas Unwirkliches vor Augen: den Strand. Mehrere Hundert Badegäste lagen so dicht nebeneinander, daß der Sand unter ihnen kaum zu sehen war; ihre Haut zeigte erste Bräune, bald würde sie, wenn es richtig heiß wurde, gold- und bronzefarben werden. Neben einigen wenigen häßlichen Dickbäuchen war die ganze Jugend der Stadt anwesend, Jungen und Mädchen lagen aufgereiht da wie Soldaten, die in ihrer Schlachtordnung plötzlich umgefallen waren.

Was dänische Schönheit als Schönstes aufzuweisen hatte, lag vor mir, fast nackt, das versteht sich von selbst, allerdings eben nur fast: die völlige Nacktheit ist keusch, während die Jugend hier dem Blick nur das entzog, was das Begehren entflammt. Aber die allgemeine Auffassung über die Schamhaftigkeit wirft diese Unterschiede über den Haufen. Wie dem auch sei, dieses unbewegte Gewoge heller Körper wirkte überwältigend und erregend. Wenn ich je geglaubt hatte, vor dem Überfall der Sinne sicher zu sein, konnte ich dieser Illusion Lebewohl sagen.
Ein Tablett mit den verschiedensten Kuchen und Torten wurde mir präsentiert, zuerst schüttelte ich verneinend den Kopf, doch dann nickte ich.

 

Text: Julien Green, L’autre

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