Klampenborg II

continued

Zweige brachen unter fremden Schritten, ich blieb stehen und schwieg. Auch andere wollten das schöne Wetter ausnutzen und schlenderten durch diesen Wald, manchmal mit zweifelhaften Absichten. Ohne Eile ging ich wieder auf die Straße, auf das große Hotel zu, das sich von weitem durch die Klänge einer draußen spielenden Kapelle ankündigte.
Auf der Terrasse, über dem Strand, wurde Tee getrunken, und ich überlegte, ob ich mich an einem so öffentlichen Ort sehen lassen konnte. Die Gäste saßen dort wie auf einer Bühne […]
Ich ging also in der Sonne auf die Front des Hotels zu und trat in die Halle, wo Pagen neben dem Empfangsbüro halblaut miteinander schwatzten. Gab es etwas, das banaler sein konnte?

Links der Aufzug, rechts die große Treppe. Vor mir, jenseits des Speisesaals, sah man die vollbesetzte Terrasse. […]
Ein Oberkellner kam auf mich zu, machte eine leichte Verbeugung und fragte, was ich wünschte.
»Auf der Terrasse Tee trinken.«
Er hielt mir eine Glastür auf, und wie eine Schlafwandlerin – denn das Ganze hatte etwas Unwirkliches – ging ich auf einen Tisch zu, der etwas abseits stand.

Eine Decke wurde über den Tisch gebreitet, Untertasse, Tasse und Teekanne folgten nach, aber das alles nahm ich kaum wahr. Nur an eine Nebensächlichkeit erinnere mich genau: daß das Orchester die Ouvertüre zu Ruy Blas von Mendelssohn [Op. 95, 1839; 7.8M] mit übertriebenem Schwung spielte. Ich hätte es sicherlich vergessen, wäre nicht der Gegensatz zwischen der aufwühlenden Musik und der starren Teilnahmslosigkeit der nackten Leute am Strand so auffällig gewesen.

Ich goß eine Tasse voll und ließ meine Augen über das jugendliche und herrlich menschliche Schauspiel, das sich so freimütig meinen Blicken darbot, schweifen. […]
Was ich sah, ähnelte in seiner Ausdehnung und Vielfalt einem Traumbild.

 

to be continued

Advertisements

About this entry