Wie alles begann

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Ich erinnere den Strand, weil dort alles begann: Mit Chantal Akermans Film „Là-bas“ (Belgien 2006) und einer veronkelten Filmkritik auf dem Kinoportal jump cut. Es war dieser Text, der sich tief in den Sand eingraben sollte, ein Text, in dem jeder Satz UNWAHRES auszudrücken wußte: Eine Sprache, die die ruhige See in eine Sturmflut verwandelte. Es gab kein Gespür für Durchlässigkeit. Schauen Sie, wir sind strandverliebte Jungzionisten und so manch ungeahnter diasporischer Akzent kommt uns hier wie dort über die Lippen. Und, ja exactly: Das ist die Frage, die wir uns stellen. Was erlauben Sie sich? Und: Warum glaubt er irgend jemand könnte den Wunsch haben seine Chantal Akerman Rezension zu lesen?

„Là-bas“
Von Ekkehard Knörer
Chantal Akerman ist in Tel Aviv und führt dort eine Art filmisches Tagebuch hinter heruntergelassenen Rollos. Wir sehen durch die Ritzen das Geschehen auf Balkonen und Terrassen der gegenüberliegenden Häuser, nur ist dies Geschehen ohne Belang. Es tut sich wenig, minutenlang blickt die Kamera in starren Einstellungen hinaus auf ein Nichts an Veränderung.

Es wird einem die Zeit auf die Dauer sehr lang, wenn man das sieht. Vielleicht wurde auch Chantal Akerman die Zeit sehr lang im von einer Bekannten gemieteten Appartment. Fragt sich nur: Was geht mich das an? Zwischen den Blicken auf die Häuser – die Einstellungen wechseln, einen großen Unterschied macht es nicht – gibt es kurze Telefonmonologe der Regisseurin in englischer, französischer und hebräischer Sprache. Und sie erzählt uns allerlei, das meiste von keiner Bedeutung. Dass sie das Brot aus dem Tiefkühlfach aufgetaut hat. Dass es ihr nicht so gut geht. Wiederkehrendes Thema ist der Selbstmord ihrer Tante Ruth, der Selbstmord der Mutter des Schriftstellers Amos Oz, den alle ihre Freunde lesen, manche aber kritisch.

Ein paar Mal gibt es, kurz, Impressionen vom Meer, Impressionen vom Himmel. Später eine wildes Schnitt- und Schwenkpotpourri, das womöglich der filmische Ausdruck einer inneren Verwirrung der Regisseurin ist. Man weiß es nicht, es ist auch egal. Was sich einstellt, im Lauf dieser von kaum einem auch nur halbwegs interessanten Moment getrübten knapp 80 Minuten, ist der Eindruck eines phänomenalen Narzissmus. Warum glaubt Chantal Akerman, irgendjemand könnte den Wunsch haben, zu erfahren, was sie hier tut? Und wer hat ihr erzählt, sie könne Englisch? Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass “de odeurs” the others sind. Immerhin ein Aha-Effekt in einem sonst nervtötenden Film.

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